Car Sharing Test: MILES (drive by)

DriveNow und car2go bekommen Konkurrenz in Hamburg: Nach Berlin startet MILES (bisher bekannt als drive by) nun in der Hansestadt durch. Neben 125 Hybrid-Fahrzeugen von Toyota (Yaris und CH-R) sind nun auch 25 VW-Transporter (Crafter und T6) unterwegs. Im Hybrid-Crossover-SUV liefen Klimaanlage, Sitz- und Lenkradheizung; umweltschonende Elektromobilität ist das also nicht.

Das macht Spaß

  • Free Float: Flotte im gesamten Geschäftsgebiet verteilt
  • Abrechnung nach Kilometern statt Minuten: macht die Fahrt gleich viel entspannter
  • Auch für Führerschein-Neulinge (erste 12 Monate nach Führerscheinerwerb; erhöhte Gebühren)
  • Kilometerpakete werden automatisch gebucht, sobald sie günstiger sind
  • 1 Cent/Kilometer wird an eine soziale Einrichtung gespendet

Das macht keinen Spaß

  • Für Free Float ist die Flotte aktuell tatsächlich noch viel zu klein
  • Fahrzeug lässt sich nur über die App (oder notfalls per Hotline) verschließen. In der Supermarkt-Tiefgarage könnte beides spannend werden.
  • Der Anbieter firmiert gerade von drive by zu MILES um. War der Name vorher verwechselbar, ist er nun… nunja.
  • “Mit drive by fährst du stressfrei durch Berlin” hieß es in der Bestätigungs-E-Mail, die nach Fahrtende verschickt wurde. Merkwürdig nur, dass die Fahrt in Hamburg stattfand und der Anbieter dort ja eigentlich gleich unter dem Namen “MILES” an den Start ging. Gerade für neue Kunden ist das alles noch sehr verwirrend, aber die Anpassungen werden sicher in Kürze folgen.

Kosten

Fahrzeugkategorie Tarif „MILES quickie“ (1 km) Tarif „MILES shortie“ (6h inkl. 50 km) Tarif „MILES roadie“ (24h inkl. 100 km)
S 0,79€ je km 29€ 49€
M 0,99€ je km 39€ 69€
L 1,19€ je km 49€ 89€

Stand 01.11.2018. Selbstbeteiligung im Schadenfall: 1.000 € (für Führerschein-Neulinge 1.000 €)

Unternehmen

MILES wurde im September 2016 als drive by in Berlin gegründet und startete dort am 1. Mai 2017 mit den Marken Audi und Fiat – über den Fahrzeugtyp wurde auf Facebook abgestimmt – das klingt nach echter Community. In Hamburg sind Hybrid-Toyota und VW-Transporter im Einsatz.

Car Sharing Test: Oply

Im März spülte der Anbieter 100 Autos auf Münchens Straßen, seit Oktober gibt es Oply nun auch in Hamburg. Zum Start stehen dort ebenfalls 100 Fahrzeuge in 44 “Nachbarschaften” bereit, in vier Fahrzeugkategorien: Stadtauto, Familienfahrzeug, Transporter und Roadster. Gebucht wird per App, die fungiert (per Bluetooth-Verbindung) auch gleich als Autoschlüssel. Tipp: Wenn irgend etwas hakt, einfach mal per App ab- und wieder aufschließen.

“Oh, den Startups sind offenbar die coolen Namen ausgegangen!” (ein Passant)

Das macht Spaß

  • Durch “Nachbarschaften” tolle Abdeckung (in den Ballungsgebieten)
  • Geringe Selbstbeteiligung
  • Von innen ein sauberer Neuwagen, solide Ausstattung, sparsam im Verbrauch

Das macht keinen Spaß

  • Das Nachbarschaftsprinzip ist zugleich der größte Knackpunkt: Die Fahrzeuge dürfen nämlich nur in ihrer jeweiligen “Nachbarschaft” zurückgegeben werden, also den ihnen zugewiesenen Teilen eines Stadtbezirks. Die Jungfernfahrt wurde so gekrönt von einer Parkplatzsuche am Sonntagabend, die einer Lotterie glich: gekrönt von einem Zufallstreffer in der letzten Mietminute. Der telefonische Kundenservice signalisiert jedoch, dass bei der Flex-Buchung automatisch 5 Minuten “Puffer” je Miete für die Parkplatzsuche berücksichtigt werden, und man Mietern mit großen nachvollziehbaren Parkplatzschwierigkeiten auch rückwirkend entgegen kommen kann, da der Betrag erst nach vier Tagen eingezogen würde. Das kann ja lustig werden, die Mitarbeiter im Callcenter sollten sich auf hitzige Diskussionen einstellen.
  • Das Fahrzeug (Ford Focus) war von außen sehr verdreckt, die Flotte wird also wohl nicht so intensiv betreut wie bei Mitbewerbern.

Kosten

Fahrzeugkategorie Tarif „Flex“ Tarif „Plan“
City & Family (Ford Fiesta, Ford Focus) 6€ pro Stunde 45€ pro Tag 35€ für 12 Stunden
Sport & Transport (Mazda MX5, Renault Trafic) 9€ pro Stunde 75€ pro Tag 59€ für 12 Stunden

Benzin bis 150 km ist pro Buchung enthalten, darüber hinaus fallen 0,15€ pro Kilometer an. Selbstbeteiligung im Schadenfall: 300€

Unternehmen

Hinter dem Unternehmen Oply und seiner Holding ExaMotive aus Luxemburg stehen erfahrene Investoren: Der chinesische Automobilkonzern SAIC, das Investmentunternehmen Sailing Capital und Privatinvestoren aus Luxemburg. Geleitet werden die Deutschlandaktivitäten von Geschäftsführerin Katharina Wagner (zuvor Head of Business Development by car2go), CEO und Gründer von ExaMotive ist der Unternehmer und Mobilitätsexperte Mauro Mariani.